Ev. Kirche in Reichenbuch

 
Geschichte
 
Der gedrungene Turm der evangelischen Kirche beherrscht den alten Siedlungskern von Reichenbuch. Als Wahrzeichen des Dorfes ragt der kupfergrüne Spitzhelm über dem mit weißen Holzschindeln verkleideten Glockengeschoss empor. Das Gotteshaus wurde 1908 nach Plänen des Heidelberger Architekten Hermann Behaghel im Stil des Historismus erbaut. Unter einem roten, ziegelgedeckten Walmdach erhält die weiß verputzte Kirche durch die aus heimischem Sandstein gefertigten Fenster- und Türgewände ein ansprechendes Gepräge. Im Inneren erfreuen Ornamentmalereien aus der Entstehungszeit, die in den 1970er Jahren freigelegt und restauriert wurden.
 
 
Im Jahr 1908 zählte Reichenbuch etwa 250 Einwohner, von denen weniger als die Hälfte evangelisch waren. Sie gehörten zum Kirchspiel Neckargerach, hatten aber schon lange den Wunsch nach einem eigenen Kirchlein gehegt. Dank großzügiger Schenkungen und Spenden gelang es den wenigen Familien, das Projekt zügig zu realisieren. Zwischen Grundsteinlegung (26. April) und feierlicher Einweihung (27. September 1908) vergingen nur fünf Monate. Die drei damals gegossenen Glocken mussten in den Weltkriegen für Rüstungszwecke abgegeben werden und wurden eingeschmolzen. Das heutige dreistimmige Geläut stammt aus den Jahren 1935 und 1957.
 
 
 
Im Jahr 1972 konnte der Anbau einer Sakristei realisiert werden. Unter Beibehaltung des ursprünglichen Orgelgehäuses erhielt die Kirche 1977 eine neue Orgel mit sechs Registern und 405 Pfeifen. Im Kontext der Kommunalreform wurde die evangelische Kirchengemeinde Reichenbuch 1973 dem Pfarramt Lohrbach zugeordnet.
 
Dr. Albrecht Ernst
 
 
Literatur:
Hans-Jürgen Krauß: Festrede anlässlich der 100-Jahr-Feier der evangelischen Kirche in Reichenbuch am 25. Mai 2008. In: Mosbacher Jahresheft 18, 2008, S. 100–108.
 
Norbert Jung: Ein kleiner Streifzug durch die Mosbacher Glockengeschichte, Heilbronn 2006, S. 120-127.