Ev. Kirche in Lohrbach

 
Geschichte
Auf einer Anhöhe über der Kurfürstenstraße erhebt sich die Lohrbacher Dorfkirche, deren Anfänge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Die mittelalterliche Chorturmkirche war einst vom Friedhof umgeben, an den zwei heute noch erhaltene  Grabmäler erinnern. Seit 1556, als in der Kurpfalz die Reformation offiziell eingeführt wurde, dient das Bauwerk dem evangelischen Gottesdienst. Die enge Verbindung, die damals zum landesherrlichen Wasserschloss bestand, spiegelt sich im Allianzwappen, das die reformierte Kurfürstin Amalia um 1590 an der südlichen Chorwand der Kirche anbringen ließ.
 
 
Es war dem Bevölkerungswachstum zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschuldet, dass man in den Jahren 1817/1818 die baufällige und zu klein gewordene Kirche abbrach und durch ein schlichtes, saalartiges Langhaus im Stil des Klassizismus ersetzte. Lediglich der wuchtige Turm mit seinem gotischen Untergeschoss, der nun um ein Stockwerk erhöht wurde, blieb erhalten. Schon beim ersten Blick gibt sich der Neubau als refomierte Predigtkirche zu erkennen, an deren Stirnseite die Kanzel als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes dominiert.
 
 
 
Bei der grundlegenden Renovierung, die Mitte der 1960er Jahre stattfand, wurde die Kirche „modernisiert“, indem das ursprüngliche Gestühl durch bequemere Bänke ersetzt, die Südempore entfernt und die vorhandenen Steinsäulen durch Stahlstützen ausgetauscht wurden. Nach Abschluss der bislang letzten, von der Stiftung Pflege Schönau getragenen Gesamtsanierung erhielt der helle, lichtdurchflutete Raum 2002 neue bronzene Prinzipalstücke (Altar, Ambo, Kreuz, Taubecken, Osterleuchter), die der Bildhauer Matthias Eder schuf.
 
 
 
 
Wandmalereien im Chorturm
Schon 1879 berichtete Pfarrer Alfred Leitz von der Malerei unter dem Gewölbe des Thurmes, die man findet, wenn man die Tünche mit dem Gypshammer losschlägt. Lange Zeit hatte das baulich vom Kirchenschiff getrennte Untergeschoss des Chorturms als Kohlenlager und Läutestube gedient. Welchen Schatz der einstige Chorraum für den Betrachter bereithält, zeigte sich in den Jahren 1950 und 1951, als der Neckarsteinacher Restaurator Valentin Peter Feuerstein einen imposanten Bilderzyklus mittelalterlicher Fresken freilegte und konservierend überarbeitete.
 
Im Stil einer Vorhangmalerei erzählt die mehrfach an den Wänden umlaufende  Bilderfolge die biblische Heilsge­schichte von der Erschaf­fung des Kos­mos bis zum Jüngsten Gericht. Vor blauem Hintergrund sind ausgewählte Ereignisbilder aus dem Alten Testament und aus dem Leben Jesu dargestellt. Auch wenn die biblischen Gestalten eher etwas ungelenk aus­­geführt sind, entfalten die Szenen doch eine einprägsame Aus­sagekraft, die den spätmittel­alterlichen Men­schen, die des Lesens und Schreibens oft un­kun­dig waren, das Evangelium, die kirchliche Spi­ri­tualität und die Heiligen­ver­ehrung nahe­brach­te. Im Blickpunkt der Gottesdienstbesucher – über dem schmalen gotischen Chorfenster – thronte einst Christus als Weltenrichter auf einem Regenbogen. Diese Darstellung, die Christi göttliche Majestät zum Ausdruck brachte, ist nur noch fragmentarisch in ihren unteren Partien erhalten.
 
 
Die Wandmalereien, die eine Fläche von mehr als 60 m² einnehmen, sind um 1470 entstanden. Keine 50 Jahre sollten sie den Chor- und Altarraum der Kirche schmü­cken. Denn noch vor der Einführung der Reformation erfuhr das Erdgeschoss des Turmes 1514 eine grundlegende Umgestaltung. Der bis dahin flachgedeckte Raum wurde mit einem Sterngewölbe ausgestattet. Die Wände wurden übertüncht, die Malereien durch den Einzug des Gewölbes teilweise zerstört. Doch unter dem Schutz zahlreicher Kalkanstriche überdauerte ein Großteil der Bilder die Jahrhunderte.
 
 
Der Turmchor mit den zu Beginn der 1950er Jahre freigelegten Wandmalereien. Die drei Glockenseile deuten darauf hin, dass die Aufnahme zwischen 1957 und 1961 entstanden ist. Nach der Beschaffung der großen Glocke (1961) wurde eine elektrische Läuteanlage installiert.
 
 
 
 
 
 
 
Schlussstein des 1514 im Turm eingebauten Sterngewölbes
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Vom Alten zum Neuen Bund: Szenen der biblischen Heilsgeschichte
 
Erschaffung der Welt mit Gestirnen, Pflanzen und Tieren
 
 
 
 
 
 
Erschaffung der Eva aus der Rippe des schlafenden Adam
 
 
 
 
 
 
Anbetung der Weisen aus dem Morgenland vor der thronenden Maria mit dem Jesuskind. Daneben Josef in der Küche, im Hintergrund Ochs und Esel
 
 
 
Jesu Gebet im Garten Gethsemane, Judaskuss und Gefangennahme
 
 
 
 
Abführung zum Verhör
 
 
 
 
 
 
 
 
Kreuzigung, Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Leib Jesu (Pieta)
 
 
 
 
 
Auferstehung Jesu Christi
 
Begegnung des Auferstandenen als Gärtner
mit Maria Magdalena und weiteren Frauen
am Ostermorgen
 
 
Hinabgestiegen in das Reich des Todes:
Erlösung der Menschheit, symbolisiert durch die Gestalten von Adam und Eva, aus dem Höllenrachen
 
 
 
 
 
 
Wir danken Herrn Dr. Albrecht Ernst für Text und Bilder zu dieser Seite.
 
 
Orgel
Auf der Nordempore zieht der klassizistische Prospekt der von den Brüdern Anton und Wilhelm Overmann aus Heidelberg erbauten Orgel die Blicke auf sich. Nachdem der Vater Anton Overmann sen. die Disposition, insbesondere die Verwendung typischer Zungenstimmen, festgelegt hatte, schufen die Söhne 1818/1819 mit der Lohrbacher Orgel gewissermaßen ihr Meisterstück. Das aus 14 Registern bestehende Instrument wurde schon oft wegen seiner Klangwirkung bewundert. Im Leben der jungen Orgelbauer sollte Lohrbach noch in anderer Hinsicht Bedeutung erlangen, fanden sie doch beide hier ihre künftigen Ehefrauen.
 
 
 
Glocken
In der Läutestube des Kirchturms hängen vier Glocken, die zum Gottesdienst rufen oder durch ihren Klang den Tagesablauf strukturieren:
 
1. Die älteste Glocke wurde 1518 von dem Heilbronner Glockengießer Bernhard Lachamann d. J. gegossen. Sie wiegt rund 550 kg und trägt die Inschrift
ihesus nasarenus rex iudeorum – bernhart lachaman gos mich 1518.
 
 
2. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand eine kleine, 256 kg schwere Glocke bei der Gießerei Gebr. Bachert in Karlsruhe mit der Inschrift:
UEBER DER HEIMAT LIEGT NOT UND LEID, HERR LAß MICH KÜNDEN BESSSERE ZEIT.
Nach den Verlusten des Zweiten Weltkriegs wurde das Geläut durch zwei neue Glocken ergänzt, die bei der Gießerei Gebr. Bachert in Kochendorf geschaffen wurden:
 
3. Gussjahr: 1957, Gewicht: 497 kg, Inschrift: LASSET EUCH VERSOEHNEN MIT GOTT.
 
4. Gussjahr: 1961, Gewicht 1250 kg, Inschrift: O LAND, LAND, LAND, HÖRE DES HERRN WORT.
 
Dr. Albrecht Ernst
 
Literatur:
Martin Ernst: Doppeltes Jubiläum in Lohrbach. 500 Jahre Lachamann-Glocke und 200 Jahre Neubau des Langhauses der ev. Dorfkirche. In: Unser Land 2019, S. 59–64.